WERKSTATTPROJEKT

Transfer durch
Kokreation

Diversität in Partizipationsprozessen

Abwanderung und Überalterung stellen die Entwicklungsfähigkeit vieler ostdeutscher Klein- und Mittelstädte zunehmend in Frage. Gesellschaftliche, kulturelle und ökonomische Innovationsprozesse erfordern jedoch eine lebendige und vielfältige Gesellschaft, die durch Teilhabe und Mitwirkung geprägt ist. Diese Mitwirkungsmöglichkeiten sind ein entscheidender Faktor für das Engagement der Bevölkerung und deren Verwurzelung vor Ort.

Hier setzt das Projekt „Transfer durch Kokreation“ an. Es erforscht, wie die Mitwirkung unterschiedlicher Bewohner und Bewohnerinnen durch verschiedene Begegnungs- und Austauschformate strukturell gefördert werden kann. Hierbei konzentriert sich das Projekt auf die Städte Weißenfels und Zeitz. Die Forschung erfolgt im engen Austausch zwischen engagierten Menschen aus der Region und mit verschiedenen Hochschulen. Die Ergebnisse werden mit institutionellen Akteur:innen diskutiert und Handlungsmöglichkeiten erörtert.

Dabei verfolgt „Transfer durch Kokreation“ vor allem praktische Ziele: In den beiden Fallstädten sollen Prozesse der Mitwirkung durch analytische, planerische und gesellschaftswissenschaftliche Kompetenzen gestärkt werden. Zum Einsatz kommen hierzu verschiedene Methoden des Austauschs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft: Zum Einsatz kommen innovative Transferformate wie Reallabore, Service-Learning und (digitale) KoKreationsprozesse. Im Zentrum des Projekts steht eine Verbindung aus Hochschullehre, Forschung und gesellschaftlichem Engagement. Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Praxisakteuren sowie Bewohnerinnen und Bewohnern soll angeregt und gestärkt werden:

So entstehen im Werkstattprojekt in Weißenfels und Zeitz vier eng miteinander verbundene Praxisprojekte zur Stärkung von Bürgerbeteiligung. Alle vier Projekte verbindet der Ansatz, wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Leipzig mit lokalem Engagement zu verknüpfen und so die Entwicklung nachhaltiger Beteiligungsstrukturen in den beiden Städten zu fördern:

  • „Gemeinsam auf dem Weg zum Wohnzimmer der Stadt" begleitet die Entwicklung der Stadtbibliothek Weißenfels zu einem offenen Begegnungsort und „Dritten Ort" der Innenstadt im Rahmen des Umzugs in das ehemalige Müller-Kaufhaus.

  • Die Merse54, eine Ladenfläche in der Merseburger Straße 54, dient seit Februar 2025 als Treffpunkt für Geschichten und Themen der Weißenfelser Bewohner:innen, war unter anderem Ausgangspunkt für die Begleitung der Gründung des Jugendbeirates und der Etablierung eine regelmäßigen Sommerkino-Formates und dient als Raum für das regelmäßige Gesprächsformat und Live-Podcast “Mitmersen”.

  • In Zeitz unterstützt das Projekt den Zwürfel e.V. bei der Wiederbelebung der leerstehenden „Bluebox" auf dem Schützenplatz, woraus 2025 der kokreative Aktionssommer „Überirdisches Zeitz" mit Mitmach-Angeboten, Freiluftkino und Konzerten entstand.

  • Das Stadtlabor Zeitz in der Wendischen Straße bietet einen offenen Raum für Ehrenamtliche, aus dem bereits Initiativen wie das Begegnungscafé „Café Mosaik" oder das „LeseRoulette" hervorgegangen sind.

Hieran arbeiten verschiedene Verbundpartner:innen zusammen mit Akteurinnen und Akteuren in den Städten Weißenfels und Zeitz im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt): Das Institut für Stadtentwicklung (ISB) an den Wirtschaftswissenschaften und das Institut für Kulturwissenschaften (KUWI) der Universität Leipzig kooperieren im Teilvorhaben Akteure. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) arbeitet im Teilvorhaben Freiraum und die WeCreate.World GmbH im Teilvorhaben crossmediale und digitale Beteiligungsprozesse. Ansprechpartnerinnen für den Werkstattbereich sind Verbundkoordinatorin Katrin Schade, die stellvertretende Koordinatorin Theresa GrimmDr. Ringo Rösenerund Stefan Scheel, wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich Kulturwissenschaften. Projektleiter ist Prof. Johannes Ringel.

Veranstaltungen

Podcast “Mitmersen”

Dokumentation zum “Sommerkino in Weißenfels”

Schaut gerne hier rein in die Prozessdokumentation zur Kooperation des Jugendgremiums Weißenfels, der Stadt Weißenfels und des Universität Leipzig im Sommer 2025. Sie wurde erstellt von Studierenden der Universität Leipzig im Sommersemester 2025 im Rahmen einer Zusammenarbeit des Institut für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft an den Wirtschaftswissenschaften der Universität Leipzig mit dem Praxisprojekt “Merse54” des Werkstattbereichs „Transfer durch Kokreation".

Gemeinsam auf dem Weg zum „Wohnzimmer der Stadt“

Begleitung des Wandels der Stadtbibliothek Weißenfels

Wie muss eine moderne Stadtbibliothek gestaltet sein, die den Bedürfnissen einer vielfältigen Stadtgesellschaft gerecht wird?

Im Mittelpunkt steht zunehmend die Idee eines offenen Ortes, der Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben fördert und damit weit über die klassische Funktion einer Bibliothek hinausgeht. Deshalb befindet die Stadtbibliothek Weißenfels sich aktuell in einem umfassenden Transformationsprozess. Sie möchte sich zu einem offenen „Wohnzimmer“ der Innenstadt entwickeln – einem Ort für alle Bewohner:innen, der zum Verweilen einlädt. Der geplante Umzug in das alte „Müller“-Kaufhaus im Stadtzentrum macht diese Vision auch räumlich greifbar und schafft die Grundlage für einen modernen Ort der Begegnung, Teilhabe und Gemeinschaft. Die Bibliothek soll ein Ort werden, an dem Menschen sich begegnen, voneinander lernen und Zeit miteinander verbringen – ein sogenannter „Dritter Ort“ im urbanen Raum. 

TheEuropeChallenge unterstützt europaweit 60 Bibliotheken bei lokalen Projekten – darunter auch die Stadtbibliothek Weißenfels, die auf diesem Weg vom Werkstattprojekt „Transfer durch Kokreation“ als Community Partner begleitet wird. Ihr Projekt „Library meets Design Thinking – Creating our new Library together“wird von der European Cultural Foundation gefördert und von der Europäischen Union unterstützt: Entstehen soll ein Raum für Kreativität, Austausch und internationale Perspektiven, der zur gemeinamen Verhandlung zentraler Fragen zur Zukunft von Bibliotheken, Gemeinschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt inspirieren soll.

Zentraler Bestandteil des Prozesses sind partizipative Beteiligungsformate im Spätsommer 2026: “Transfer durch Kokreation” und die Weißenfelser Stadtbibliothek führen sie gemeinsam beim Stadtfest am 29.8. am neuen Bibliotheksstandort in der Innenstadt und beim Neustadtfest am 25.9. durch. Die Beteiligungsformate wurden gemeinsam mit Julia Bergmann entwickelt und zielen darauf, die Bedürfnisse und Wünsche der Stadtgesellschaft aktiv in die Gestaltung der neuen Stadtbibliothek einzubeziehen. So entsteht ein offener Entwicklungsprozess, der Bibliothek zukünftig konsequent an den Lebensrealitäten ihrer Nutzer:innen ausrichtet.

Weitere Einblicke in das Projekt und unsere Zusammenarbeit erhaltet Ihr im Podcast Mitmersen: Bibliotheken als Wohnzimmer der Stadt? mit Sandra Baumgart, Leiterin der Stadtbibliothek Weißenfels. Ansprechpartnerin im Projekt sind Katrin Schade und Joanne Badack.

Merse54

Ein Praxisprojekt des Werkstattbereichs
“Transfer durch Kokreation” in der Merseburger Straße 54 in Weißenfels

Blick durch das Schaufenster der Merse54 im Rahmen der Eröffnung

Die Merse54 ist eine Ladenfläche in der Merseburger Straße 54 in Weißenfels. Hier ist seit der Eröffnung im Februar 2025 ein Raum für die Geschichten und Themen der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt entstanden. Dazu laden wir vom Projekt „Transfer durch Kokreation“ zu verschiedenen Veranstaltungen in der Merse54 als auch zu diversen Gesprächsanlässen an anderen Orten in der Stadt ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das Projekt „Transfer durch Kokreation“ gehört zu einer Initiative der Universität Leipzig mit verschiedenen Partnerinstitutionen. Wir sind in engem Austausch mit der Stadtverwaltung und an Stadtgestaltung interessierten Akteurinnen und Akteuren in der Stadt Weißenfels und freuen uns auch auf neue Bekanntschaften!

Folgt uns auf Instagram unter merse54_wsf. Hier halten wir euch zu allen Aktivitäten auf dem neuesten Stand. Ansprechpartnerinnen sind Katrin Schade, Joanne Badack und Theresa Grimm.

Im Sommersemester 2025 waren Studierende in Weißenfels unterwegs. Auf dem Plan standen zum Beispiel Interviews und Gespräche mit dem Jugendgremium Weißenfels. Neben der Begleitung der Planungen fürs Sommerkino wurde gemeinsam überlegt, wie man ein Konzept für die Arbeit des Jugendgremiums entwickeln kann, das ihre Arbeit auf Dauer erleichtert. Wir danken für die coolen Einblicke in das Engagement der Jugendlichen und starke Stimmen aus der Jugendarbeit!

“Zwürfel”

Entwicklung der Bluebox auf dem Schützenplatz in Zeitz – Ein Praxisprojekt des Werkstattbereichs “Transfer durch Kokreation”

2024 wurde ein leerstehendes Gebäude auf dem Zeitzer Schützenplatz, die sogenannte „Bluebox“, von Mitgliedern des Zwürfel e.V. vor dem Abriss gerettet. Der Verein strebt seitdem die Entwicklung und Belebung der Bluebox an und möchte dabei die Anwohner:innen sowie verschiedene Bezugsgruppen des Platzes aktiv einbinden. Seitdem unterstützt das Projekt „Transfer durch Kokreation“ den Zwürfel e.V. dabei, das Gebäude zusammen mit den Zeitzer:innen durch deren Ideen, Tatkraft und Engagement mit neuem Leben zu füllen und die Bluebox somit in einem experimentelle Beteiligungsprozess zu entwickeln. Ansprechpartner sind Dr. Ringo Rösener und Stefan Scheel.

Aktionssommer “Überirdisches Zeitz”

In dem kokreativen Austausch von engagierten Zeitzer:innen, dem Zwürfel e.V. und Studierenden sowie Mitarbeitenden der Uni Leipzig entstanden neben ersten Nutzungsvisionen die Idee eines Aktionssommers. Als Kooperationsprojekt des Zwürfel e.V. mit dem Werkstattbereich “Kokreation” der T!Raum-Initiative „Handlungskompetenz der Kommunen Stärken“ lud er von Mai bis August 2025 die Zeitzer:innen zur Erprobung verschiedener Nutzungsarten ein und bewegt gleichfalls noch mehr Menschen zur Beteiligung.

Der Aktionssommer entstand als Gemeinschaftswerk unterschiedlichster Menschen. Die Trägerschaft hierfür übernahm der Zwürfel e.V. als Besitzer der Bluebox. Zeitzer Vereine und Initiativen wie das Jugendparlament, der Stadtlabor e.V. oder die Kultur- und Bildungsstätte Kloster Posa e.V. organisierten eigene Veranstaltungen und Aktivitäten. Mitarbeitende der Universität Leipzig unterstützten, begleiteten und koordinierten den Aktionssommer. Das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung beteiligte sich mit eigenen Veranstaltungen und unterstützte ebenso die lokalen Akteure. Die bunte Mischung aus Mitmach-Angeboten, Dialog- und Begegnungsveranstaltungen sowie Freiluftkino und Konzerten entstand unter Einbeziehung aller Interessierten, die auch während des Aktionssommers noch an dessen Ausgestaltung mitwirken konnten.

Hier finden sich ausführliche Informationen zum “Aktionssommer”.

Stadtlabor Zeitz von außen an der Wendischen Straße

Stadtlabor Zeitz

In der Wendischen Straße 29 – Ein Praxisprojekt des Werkstattbereichs “Transfer durch Kokreation”

Das Stadtlabor Zeitz ist ein offener Raum für Ehrenamtliche in Zeitz, in dem die Ideen der Engagierten gezielt unterstützt und gefördert werden, sodass sich nachhaltige Projekte entwickeln können. Zurzeit finden regelmäßige Veranstaltungen und Beteiligungsprojekte statt, und es sind bereits folgende Initiativen entstanden:

  • das interkulturelle Begegnungscafé „Café Mosaik“ (immer montags)

  • Sport-&-Yoga-Gruppe für Frauen am Donnerstagabend

  • Kreatives Schreiben (freitags),

  • Spieleabende und das „LeseRoulette“ (jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat),

  • ein UNICEF-Treff (Nachhilfe für migrantische Schulkinder)

  • sowie ein ehrenamtliches Nachhilfeangebot für erwachsene Zugewanderte, die sich im Erwerb von Bildungsabschlüssen befinden.

Gemeinsam mit den Forschenden und Studierenden der Universität Leipzig soll bis Mitte 2026 eine langfristige Perspektive für den Ort, die Projekte und den Verein entwickelt werden. Auch im Rahmen des Projektes „Transfer durch Kokreation“ entsteht derzeit der Verein Stadtlabor e.V. als Bündelung der Engagierten vor Ort.


DasStadtlabor Zeitz wird in den kommenden eineinhalb Jahren ein Modellort für Austausch und demokratische Beteiligung in Zeitz sein: Hier steht ein Veranstaltungsraum für bis zu 30 Menschen mit Küche, Arbeitsmaterial und einem gut ausgebauten Netzwerk für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung.

Im Fokus der Aktivitäten im Stadtlabor steht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen in Zeitz: Das Stadtlabor will Anlässe schaffen, Menschen über verschiedene gemeinsame Aktivitäten zusammenführen, für Begegnung und neue Impulse in die Stadt zu sorgen.

Forschende und Studierende der Universität Leipzig werden hier unter anderem Lehrveranstaltungen durchführen, stehen für Rückfragen und zum Gespräch mit den Beteiligten zur Verfügung. Zusätzlich setzt der Projektpartner WeCreate GmbHdigitale Beteiligungsprozesse um.

Aktuelles aus dem Werkstattbereich

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