„Forum Kooperation" vertieft Zusammenarbeit von Universität und Kommunen

Fotos: “Handlungskompetenz der Kommunen stärken”, Universität Leipzig, Jasmin Grini & Justus Wenke

Wie verbindet sich wissenschaftliches Wissen mit dem Erfahrungswissen der Kommunen – und wie wird aus befristeter Zusammenarbeit etwas Bleibendes? Diesen Fragen widmete sich am 1. September das „Forum Kooperation: Universität Leipzig und Kommunen der Region" in der Universitätsbibliothek Albertina. Über 100 Gäste aus Kommunalverwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft folgten der Einladung zur Jahrestagung der Initiative „Handlungskompetenz der Kommunen stärken" (HKS). Es war ein Tag voller Zwischenbilanzen – mit Blick auf Herausforderungen ebenso wie auf entwickelte Lösungen:

Prof. Dr. Matthias Middell, Bündnissprecher und Prorektor der Universität Leipzig, eröffnete das Forum mit einer Standortbestimmung: Der Transferbegriff müsse besser erklärt, der konkrete Nutzen für Kommunen deutlicher herausgearbeitet und „produktives Scheitern" ausgehalten werden. Seine Antwort: Transfer als wechselseitiges Lernen statt Einbahnstraße – mit klarer Bedarfsartikulation der Kommunen, besserer Sichtbarkeit der Angebote der Universität Leipzig und dem Ausbau von Service Learning.

Finanzen, Gründung & KI: Anfängliche Akzeptanzprobleme bei Wirtschaft, Verwaltung und Bevölkerung wurden im Projekt “Transfer über Köpfe” in Eilenburg durch direkte Ansprache und „Kümmerkompetenz" überwunden – Ergebnis: 15 Gründungsprojekte. Dazu: ein vergleichendes Kommunalfinanz-Analyseinstrument im und eine neue „KI-Toolbox", die Technologie über einen Evidenz- und Maßnahmenkompass für Verwaltungen nutzbar machen soll.

Ressourcenmanagement & Klimaanpassung haben oft mit unsichtbaren Langfristrisiken wie der sinkenden Grundwasserneubildung zu tun. Als Antwort kombinieren Projekte der HKS-Initiative Modellierung (Wärmeplanung, Kleinspeicher) mit Partizipation, Fokusgruppen und Unterstützung der Entwicklung institutionalisierter Trägerstrukturen wie Gewässerbewirtschaftungsverbänden.

Drei Jahre Erfahrung aus Zeitz und Weißenfels mit Kokreation als Beteiligung zeigen, was gelingt – und das zentrale Problem: fehlende strukturelle Verstetigung nach Projektende. Das Nachfolgeprojekt „CAMPUS-Werkstätten" will hier Lösungen suchen: durch feste Partner von Anfang an, ein Service-Learning-Handbuch, ein Wissensarchiv und mehr Kontinuität durch Lehramtsstudierende.

Zusammenarbeit & Konfliktvermittlung: Anhand des Projekts „Stadtentwicklung bis 2030" zeigte Prof. Middell anhand von Aue-Bad Schlema die Kluft zwischen negativer allgemeiner und positiver persönlicher Einschätzung, grundsätzlicher Offenheit und Skepsis im Detail. Im Gespräch mit dem gewählten Oberbürgermeister Marcus Hoffmann wurden konkrete Ansätze wie niedrigschwellige Jugendprojekte und die aktive Einbindung der „Diaspora" junger Weggezogener als lokale Ressource entwickelt. Im neuen Projekt „Konflikt und Vermittlung" des EFBI sollen lokale Konflikte durch Gruppenanalyse in einem verbindlichen Rahmen bearbeitbar werden.In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden die zentralen Erkenntnisse des Tages gesammelt: Erfolgreiche Kooperation lebt von persönlichem Vertrauen zwischen konkreten Menschen, klaren Prioritäten und ehrlicher Kommunikation über Angebote und Grenzen der Wissenschaft. So sollen strukturierte, niedrigschwellige Austausch- und Kooperationsformate der Universität zukünftig kleine Kommunen und damit die Entwicklung der Region noch mehr unterstützen.

Unser Dank gilt allen Teilnehmenden für einen Tag voller offener Gespräche und neuer Impulse. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung!

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