Während die wassersensible Stadtentwicklung bereits seit etwa einem Jahrzehnt als Leitbild anerkannt ist, rückt angesichts klimatischer Veränderungen und zunehmender Nutzungskonkurrenzen die Notwendigkeit einer wassersensiblen Regionalentwicklung in den Vordergrund. Insbesondere Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts gewinnen an Bedeutung, um Wassermangel und -überschuss flexibel zu bewältigen und die Resilienz gegenüber hydrologischen Extremen zu erhöhen. Im Rahmen eines Vortrages blicken Theres Säbel und Hubertus Milke auf Kleinspeicher, als bislang wenig beachtetes, jedoch vielversprechendes Element innerhalb dieses Ansatzes.
Errichtet in den 1960er-1980er Jahren, primär für landwirtschaftliche Bewässerung in Mitteldeutschland, könnten diese heute hohes Potenzial für multifunktionale Nutzung bieten. Kleinspeicher könnten mehrere wasserwirtschaftliche Aufgaben in Einzugsgebieten von Gewässern 2. Ordnung erfüllen, wie z.B. temporäre Wasserrückhaltung, Niedrigwasseraufhöhung oder Grundwasseranreicherung. Im Fall von Starkniederschlägen kann gezielt eine Speicherlamelle gefüllt werden, wodurch Abflussspitzen abgefangen und anschließend gespeichert werden. Da der Betrieb der Speicher im Nebenschluss erfolgt, wird der natürliche Abfluss in den Gewässern geschont und kann flexibel reguliert werden. Für eine gezielte Bewirtschaftung dieser Speicher bedarf es einer Verwaltungsstruktur, welche hydrologische und koordinative Kompetenz vereint, beispielsweise in Form eines Verbandes. Dies ermöglicht nicht nur eine fachgerechte technische Betreuung, sondern fördert auch die partizipative Landschaftsgestaltung.
Kleinspeicher können so zu einem Kernelement multifunktionaler Landschaften und Wasserkreisläufe werden. Erste Potenzialanalysen, bspw. für Nordsachsen, identifizieren ca. 60 relevante Kleinspeicher mit Flächen zwischen 1000 und 1000000 m3. Diese Speicher bieten eine substanzielle Möglichkeit auf die, durch den Klimawandel zunehmend unsicher werdende, Grundwasserneubildung zu reagieren. Niedrigwasserphasen abzumildern und Regionen insgesamt wasserresilienter zu gestalten. Im Rahmen des BMFTR-Projektes „T!Raum" werden anhand von Niederschlags-Abfluss-Simulationen derzeit die Wirkungen auf den Wasserhaushalt und die Nutzungsmöglichkeiten untersucht.
Der Vortrag von Theres Säbel und Hubertus Milke im Rahmen des 49. Dresdner Wasserbaukolloquiums „Wasserbau zwischen Technik und Natur: Multifunktionale Lösungen für die Zukunft“ stellt Variantenuntersuchungen zum Potential von Kleinspeichern, deren Bewirtschaftung und Rahmenbedingungen für ihre Implementierung in die wassersensible Regionalentwicklung vor.
Das Wasserbaukolloquium am 12./13. März 2026 blickt auf das Spannungsfeld zwischen technischen Anforderungen, ökologischen Zielen und gesellschaftlichen Erwartungen: Klimawandel und Extremwetterereignisse verlangen resiliente Infrastrukturen, während gleichzeitig die Integration von Ökosystemleistungen bei wasserbaulichen Maßnahmen stärker in den Fokus rückt. Gesellschaft und Politik bauen auf Lösungen, die gleichermaßen Schutz, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gewährleisten – dabei Technik und Natur nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende Partner verstehen. Innovationen im digitalen Bereich eröffnen zudem neue Möglichkeiten: KI-gestützte Modellierungen, digitale Zwillinge oder moderne Sensorik schaffen die Grundlage für vorausschauende Planungs-, Betriebs- und Monitoringsprozesse. Ebenso gewinnen Themen wie wechselnde Sedimentdynamiken, Renaturierung von Gewässern, Gestaltung von Bergbaufolgelandschaften, Wasserbau in multifunktionalen Landschaften, konkurrierende urbane, land- und forstwirtschaftliche Landnutzungen oder die Verbindung von Wasserbau und Energiewirtschaft zunehmend an Bedeutung. Tagungsort ist das Maritim Internationales Congress Center Dresden, Ostra-Ufer 2, 01067 Dresden.