Offene Räume statt geschlossener Angebote –Interview mit Ringo Rösener im METRUM-Magazin

Screenshot METRUM-Magazin www.metrum.de / Sommerfest beim Aktionssommers “Überirdisches Zeitz” am 16. August 2025 (Foto Justus Wenke, Universität Leipzig)

Offene Räume statt geschlossener Angebote! Über kulturelle Teilhabe junger Menschen und neue Ansätze kommunaler Kulturarbeit hat Ringo Rösener in einem Interview für das METRUM-Magazin Matthew Hines Rede und Antwort gestanden. Thema ist auch unser Werkstattprojekt „Transfer durch Kokreation“, das darauf abzielt, strukturschwache Regionen zu stärken und Brücken zwischen Wissenschaft und Kommunen zu bauen, zum Beispiel mit dem „Aktionssommer Überirdisches Zeitz“, den das Projekt im letzten Jahr veranstaltete.

Im Gespräch beschreibt Ringo Rösener die Prägung von Regionen durch Strukturwandel, Abwanderung und demografische Veränderungen. Im Werkstattprojekt „Kokreation durch Transfer“ beobachtete er fehlendes Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft vor Ort. Deshalb ist es wichtig, neue Räume für Beteiligung und Selbstwirksamkeit zu schaffen.

Klassische Kulturangebote erreichen junge Menschen oft nicht mehr. Hier fehlt es „nicht an Interesse, sondern an Möglichkeiten“. Augenscheinlich suchten junge Menschen weniger vorgegebene Programme, sondern Räume, in denen sie selbst aktiv werden können. Beispiele wie zum Beispiel die Graffiti-Projekte in Zeitz zeigen, dass Eigeninitiative und kreative Selbstentfaltung eine große Rolle spielen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt seiner Meinung nach auf der Bedeutung digitaler Medien. Rösener schließt: „Soziale Medien sind zentral“, da kulturelle Inhalte dort erst ihre eigentliche Wirkung entfalten. Kunst wird zunehmend für digitale Öffentlichkeit produziert und bewertet. Dabei verändern sich auch die Kriterien für Qualität und Relevanz kultureller Ausdrucksformen.

Hier hat er einen Wandel in der kulturellen Praxis junger Menschen beobachtet: Die eigene kreative Produktion konkurriert mit der Teilnahme an den Angeboten klassischer Kulturinstitutionen. Zudem wird Kunst stark an ihrer „Diskursfähigkeit“ gemessen, also daran, wie gut sie in sozialen Medien anschlussfähig ist. Das verschiebt den Fokus weg von traditionellen Qualitätsmaßstäben hin zu Selbstverwirklichung und Fairness. Kulturinstitutionen müssten darum nicht mehr nur Angebote bereitstellen, sondern als Plattformen fungieren: „Die Häuser müssen in diesem Sinne zu Dienstleistenden werden.“ Das bedeutet auch, Jugendlichen mehr Zugang zu Infrastruktur und Gestaltungsmöglichkeiten zu geben. Zugleich erfordert die sich wandelnde Praxis auch ein erweitertes Kulturverständnis. Scheinbar alltägliche Formate wie TikTok-Videos enthalten kreative Leistungen und sollten als Teil von Kultur anerkannt werden. Dahinter scheint ein Wandel von konsumorientierter zu partizipativer Kultur zu stehen, meint der Kulturwissenschaftler. Das beinhaltet wichtige Potentiale für Selbstermächtigung und Mitgestaltung als Basis für eine partizipative Stadtentwicklung im Umgang mit dem Strukturwandel.

Justus Wenke

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